Ältere Mitarbeiter in Payroll und HR

DER PAYROLL PODCAST #17 – HR 60+ – von Aktivrente bis aussortiert: warum wir Fachkräfte brauchen, aber nicht einstellen

erschienen: 04. Juni 2026 als Audio-Podcast

„Hilfe, mein Payroller geht nächste Woche in Rente – und ich brauche sofort jemanden, der die Lohnabrechnung übernimmt!“

Solche Anfragen habe ich in den letzten Jahren öfter gehört, als mir lieb ist. Denn Lohnabrechnung ist ein hochsensibler Bereich: Wenn sie nicht läuft, wird es schnell eng. Trotzdem verlassen sich viele Unternehmen noch immer darauf, dass der erfahrene Payroller schon „bis zur Rente“ bleiben wird. Genau das ist heute aber immer seltener der Fall. Payroller 50+ wechseln jetzt. Sie bleiben nicht mehr bis zur Rente.

Warum diese Folge? 2026 ist das erste Jahr, in dem in Deutschland mehr Menschen in Rente gehen, als neue Fachkräfte nachkommen. Gleichzeitig suchen Bewerber:innen 50+ deutlich länger nach einem Job – obwohl überall händeringend Fachkräfte gesucht werden. Die zentrale Frage: Wie kommen Unternehmen heute an Fachkräfte – und warum nutzen sie den Arbeitsmarkt 50+ so wenig?

In dieser Folge spreche ich mit Claudia Kosian – Payrollerin, Shared-Service-Center-Leiterin und HR-Leiterin über Wechseln ab 50, die Ansprache von Headhuntern und warum der Mindset-Change bei Recruiting 50+ kommen muss. Sie selbst hat sich mit knapp 60 noch einmal neu entschieden: neuer Job, neues Land, von der Oberpfalz nach Tirol. Gemeinsam schauen wir auf Fachkräftemangel, Bewerber:innen 50+/60+, Aktivrente, Teilpension und die Frage, warum erfahrene Fachkräfte zwar gebraucht, aber oft trotzdem nicht eingestellt werden.


Payroll braucht Wissenstransfer, bevor Lücken entstehen.

Ich begleite Unternehmen beim Aufbau zukunftssicherer Payroll-Strukturen – von der Aus- und Weiterbildung über den Wissenstransfer bis zu altersgemischten Teams, die in der Praxis funktionieren.

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💡 In dieser Folge erfahren Sie:

  • Es braucht einen Mindset-Change – auf beiden Seiten. Mehr Offenheit bei Unternehmen, mehr Selbstbewusstsein bei Bewerbern.
  • Wechselbereitschaft 50+ steigt. Erfahrene Fachkräfte bleiben nicht mehr „bis zur Rente“ – sie kennen ihren Wert und wechseln, wenn es nicht mehr passt.
  • Operatives Know-how ist ein Alleinstellungsmerkmal. Wer Payroll und HR praktisch beherrscht, ist auf dem Arbeitsmarkt gefragt – in jedem Alter.
  • Aktivrente und Teilpension fördern den Verbleib, nicht den Neueinstieg. Das eigentliche Problem – Bewerber 50+ werden zu selten eingestellt – lösen sie nicht.
  • Alter ist kein Leistungsverlust. Das ist ein Vorurteil, kein Befund. Ältere sind seltener krank und wechseln seltener als oft angenommen.



Häufige Fragen (FAQ)

Was ist die Aktivrente und ab wann gilt sie? Die Aktivrente startet in Deutschland am 1. Januar 2026. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen. Es ist kein neues Rentenmodell, sondern ein Steuerbonus für freiwilliges Weiterarbeiten.

Was ist der Unterschied zwischen Aktivrente (Deutschland) und Teilpension (Österreich)? Die deutsche Aktivrente belohnt Weiterarbeit nach der Regelaltersgrenze über einen Steuerfreibetrag. Die österreichische Teilpension ermöglicht es, die Arbeitszeit zwischen 25 und 75 Prozent zu reduzieren und gleichzeitig eine Teilpension zu beziehen – ein gleitender Übergang in den Ruhestand.

Lohnt es sich, Fachkräfte über 50 oder 60 einzustellen? Ja. Ältere Mitarbeiter bringen Erfahrung mit, sind seltener krank als oft angenommen und haben eine deutlich geringere Fluktuation. Wer Ältere einstellt, spart zudem Kosten für Rekrutierung und lange Einarbeitung.

Warum finden Bewerber über 50 trotz Fachkräftemangel oft keinen Job? Trotz Fachkräftemangel stoßen Bewerber ab 50 häufig auf Vorurteile – etwa, sie seien weniger flexibel, zu teuer oder gesundheitlich anfälliger. Diese Annahmen sind meist nicht belegt. Aktivrente und Teilpension helfen vor allem denen, die bereits beschäftigt sind, nicht den Bewerbern auf dem Arbeitsmarkt.

Lösen Aktivrente und Teilpension den Fachkräftemangel? Nur teilweise. Beide Instrumente fördern den Verbleib im Job, nicht den Neueinstieg mit 50+ oder 60+. Damit erfahrene Fachkräfte wirklich genutzt werden, braucht es einen Mindset-Change auf Arbeitgeberseite.

Warum sind altersgemischte Teams sinnvoll? Weil jeder vom anderen profitiert: Erfahrene bringen Ruhe und Wissen ein, Jüngere frische Perspektiven und neue Arbeitsweisen. Altersgemischte Teams sind kein Problem, sondern ein Stabilitäts- und Wettbewerbsvorteil.

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Einmal beworben – und dann kam immer der Headhunter

Sabine Katzmair: Was natürlich super toll ist: Sie haben sich in Ihrem Leben eigentlich nur einmal beworben. Also das ist ja aussergewöhlich.

Claudia Kosian: Ich habe mich einmal beworben und habe den Job auch angenommen. Das war der allererste – direkt von der Uni rein in den Job. Inzwischen habe ich mich schon mal zweimal beworben, bin aber dann doch nicht hingewechselt, weil mir der aktuelle Arbeitgeber die bessere Wahl schien. Das war auch noch zu der Zeit, als ich noch nicht so wechselwillig war.

Sabine Katzmair: Sie haben ja oft gesagt: Das war mir zu langweilig. Und sie haben das eigentlich umgekehrt gemacht als die Gen Z – die testet vorher aus. Sie haben das nachgeholt ab 50. Oder: Sie haben sich selbst gefunden.

Claudia Kosian: Ja, vielleicht mit Life Crisis. Ich glaube, das war Ende 40, als ich dann ankam. Ich bin ja so groß geworden: Meine Eltern waren noch der Meinung, wer bei der Deutschen Bank startet, der geht auch von dort in Rente. Die ersten zwei Dekaden habe ich das auch so gelebt. Und dann habe ich festgestellt: Loyalität ist manchmal nur auf einer Seite. Wenn man bei Amerikanern arbeitet, machen die ganz schnell mal einen Standort zu. Und dann hat der Personaler nichts mehr zu tun, wird langweilig – also wechselt man.

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