Die Sozialversicherung wird immer digitaler

Digitale Sozialversicherung: KI(RA) schaut in die Lohnbücher – ab 2027 wird die digitale Betriebsprüfung Pflicht!

Wer schon einmal als Lohnabrechner eine neue Arbeitgeberbetriebsnummer beantragt hat, kennt das Problem: Das Verfahren ist oft bürokratisch, mit Rückfragen von Agentur für Arbeit und Unfallversicherung – völlig normal. Das ändert sich gerade: Seit Juli 2025 unterstützt ein KI-Assistent bei der Auswahl des wirtschaftlichen Schwerpunkts, indem er Freitextbeschreibungen der Betriebe analysiert und passende Wirtschaftsunterklassen vorschlägt. Das macht den Antrag deutlich einfacher und reduziert Fehler.

Aber auch bei der Deutschen Rentenversicherung tut sich etwas: Künstliche Intelligenz soll in mehreren Prozessen unterstützen – und dabei geht es längst nicht mehr nur um Service-Optimierung.

KI bei der Rentenversicherung: Das ist schon Realität

KIRA prüft Lohnkonten: Ein KI-Assistent durchsucht Beitrags- und Meldedaten nach Auffälligkeiten, Lücken und Unregelmäßigkeiten. Betriebsprüfer erhalten eine risikoorientierte Priorisierung, entscheiden aber weiterhin selbst – der flächendeckende Einsatz ist ab 2026 geplant.

KI-Assistent für Gutachten: Digitale Analysen prüfen jährlich zehntausende medizinische Gutachten für Erwerbsminderungsrenten auf Widersprüche und Unstimmigkeiten, um die Qualität zu erhöhen und Bearbeitungszeiten zu verkürzen.

Voicebot im Service: Ein KI-gestützter Sprachassistent strukturiert Anrufe, erfasst Versichertendaten und leitet an die richtige Stelle weiter – so werden Servicecenter spürbar entlastet.


euBP: Die (beinahe) stille Revolution ab 2027

Die elektronisch unterstützte Betriebsprüfung (euBP) wird ab dem 1. Januar 2027 für alle Arbeitgeber ausnahmslos zur Pflicht. Prüfrelevante Lohn- und Finanzdaten müssen dann digital und strukturiert aus zertifizierten Systemen übermittelt werden – Excel-Listen und papierbasierte Ablagen gelten ab diesem Zeitpunkt nicht mehr als prüfungsfähig.

Phase Verpflichtung Details
Seit 01.01.2023 Entgeltabrechnungsdaten Digitale Übermittlung direkt aus systemgeprüften Programmen
Ab 01.01.2025 Finanzbuchhaltungsdaten Relevante FiBu-Daten zusätzlich digital; Befreiung bis Ende 2026 auf Antrag möglich
Ab 01.01.2027 Volle Pflicht Keine Ausnahmen mehr, alle prüfrelevanten Daten ausschließlich digital








Handlungsdruck: Was Payroll und HR jetzt tun müssen

Damit KI-Assistenten wie KIRA mit sauberen Daten arbeiten können, brauchen Unternehmen schon heute strukturierte, konsistente und vollständig digitale Payroll- und Buchhaltungsprozesse. Wer 2027 noch mit Insellösungen, manuellen Listen oder halbdigitalen Workarounds arbeitet, riskiert Verzögerungen, Nachforderungen und deutlich kritischere Prüfungen.

3 Schritte, um als Unternehmen entspannt in die KI- und euBP-Ära zu gehen:

Datenqualität sicherstellen: Lohn-, Meldungs- und FiBu-Daten einem strukturierten Qualitäts-Check unterziehen – von Stammdaten über SV-Schlüssel bis zur Kontenzuordnung.

Systemlandschaft prüfen: Payroll-Software, Schnittstellen und Archivierung auf euBP-Fähigkeit und GoBD-/DSGVO-Konformität prüfen und entsprechend aufrüsten.

Externe Expertise einbinden: Payroll-Digitalisierungsberatung nutzen, um Prozesse ganzheitlich zu digitalisieren und KI-Assistenten sinnvoll einzubinden – statt nur „die nächste Pflicht“ abzuarbeiten.

Als Beraterin für digitale Payroll begleite ich Unternehmen genau in diesem Transformationsschritt: von fragmentierten Prozessen hin zu einer prüfungs- und KI-fähigen Payroll-Landschaft. Wer jetzt handelt, reduziert Risiken, entlastet sein Payroll-Team und nutzt KI-Assistenten als echten Vorteil – statt sie nur als weitere Anforderung der Rentenversicherung zu erleben.


Möchten Sie Ihre Payroll zukunftssicher aufstellen?
Kontaktieren Sie mich für eine unverbindliche Erstberatung.

Beitrag teilen:

Verwandte Beiträge

Ältere Mitarbeiter in Payroll und HR

DER PAYROLL PODCAST #17 – HR 60+ – von Aktivrente bis aussortiert: warum wir Fachkräfte brauchen, aber nicht einstellen

„Hilfe, mein Payroller geht nächste Woche in Rente – und ich brauche sofort jemanden, der die Lohnabrechnung übernimmt!“

Solche Anfragen habe ich in den letzten Jahren öfter gehört, als mir lieb ist. Denn Lohnabrechnung ist ein hochsensibler Bereich: Wenn sie nicht läuft, wird es schnell eng. Trotzdem verlassen sich viele Unternehmen noch immer darauf, dass der erfahrene Payroller schon „bis zur Rente“ bleiben wird. Genau das ist heute aber immer seltener der Fall. Payroller 50+ wechseln jetzt. Sie bleiben nicht mehr bis zur Rente.

Warum diese Folge? 2026 ist das erste Jahr, in dem in Deutschland mehr Menschen in Rente gehen, als neue Fachkräfte nachkommen. Gleichzeitig suchen Bewerber:innen 50+ deutlich länger nach einem Job – obwohl überall händeringend Fachkräfte gesucht werden. Die zentrale Frage: Wie kommen Unternehmen heute an Fachkräfte – und warum nutzen sie den Arbeitsmarkt 50+ so wenig?

In dieser Folge spreche ich mit Claudia Kosian – Payrollerin, Shared-Service-Center-Leiterin und HR-Leiterin über Wechseln ab 50, die Ansprache von Headhuntern und warum der Mindset-Change bei Recruiting 50+ kommen muss. Sie selbst hat sich mit knapp 60 noch einmal neu entschieden: neuer Job, neues Land, von der Oberpfalz nach Tirol. Gemeinsam schauen wir auf Fachkräftemangel, Bewerber:innen 50+/60+, Aktivrente, Teilpension und die Frage, warum erfahrene Fachkräfte zwar gebraucht, aber oft trotzdem nicht eingestellt werden.

Mehr lesen
HR 60+ - von Aktivrente bis aussortiert. Warum wir Fachkräfte brauchen, aber nicht einstellen.

„Mit dem Alter ging die Wechselei erst so richtig los“ – DER Payroll Podcast Folge #17

Ein Gespräch mit HR-Leiterin Claudia Kosian über Wechseln mit 60+, Recruiting älterer Arbeitnehmer und dem Wert altersgemischter Teams

Mit 60 Jahren nach Österreich gewechselt, auf Gehalt verzichtet – und keine Sekunde bereut. Claudia Kosian ist HR-Leiterin in einem großen österreichischen Einzelhandelsunternehmen und spricht im Gespräch mit Sabine Katzmair über ihre ungewöhnliche Karriere, die gläserne Wand für Bewerber ab 50 – und warum Alter eine Zahl ist, kein Leistungsstempel.

Einmal beworben – und dann kam immer der Headhunter

Sabine Katzmair: Was natürlich super toll ist: Sie haben sich in Ihrem Leben eigentlich nur einmal beworben. Also das ist ja aussergewöhlich.

Claudia Kosian: Ich habe mich einmal beworben und habe den Job auch angenommen. Das war der allererste – direkt von der Uni rein in den Job. Inzwischen habe ich mich schon mal zweimal beworben, bin aber dann doch nicht hingewechselt, weil mir der aktuelle Arbeitgeber die bessere Wahl schien. Das war auch noch zu der Zeit, als ich noch nicht so wechselwillig war.

Sabine Katzmair: Sie haben ja oft gesagt: Das war mir zu langweilig. Und sie haben das eigentlich umgekehrt gemacht als die Gen Z – die testet vorher aus. Sie haben das nachgeholt ab 50. Oder: Sie haben sich selbst gefunden.

Claudia Kosian: Ja, vielleicht mit Life Crisis. Ich glaube, das war Ende 40, als ich dann ankam. Ich bin ja so groß geworden: Meine Eltern waren noch der Meinung, wer bei der Deutschen Bank startet, der geht auch von dort in Rente. Die ersten zwei Dekaden habe ich das auch so gelebt. Und dann habe ich festgestellt: Loyalität ist manchmal nur auf einer Seite. Wenn man bei Amerikanern arbeitet, machen die ganz schnell mal einen Standort zu. Und dann hat der Personaler nichts mehr zu tun, wird langweilig – also wechselt man.

Mehr lesen